Ankara Week Tag 4: Die Frauen hinter den Stoffen – das Single Mothers Project in Ghana
- Virginie Lawson
- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Sieben Uhr morgens, irgendwo in Ghana. Die Luft ist noch kühl, der Himmel gerade erst orange. Eine Frau bindet ihrem jüngsten Kind die Schuhe, drückt ihm eine Notiz mit dem Pausenbrot in die Schultasche und schiebt es zur Tür hinaus – zur Schule, die sie ihm heute noch bezahlen kann. Dann bindet sie sich selbst ein Kopftuch um, nimmt ihre Tasche mit den wachsbeschmierten Werkzeugen und geht los. Ihr Ziel: der kleine Werkraum, in dem sie seit einigen Wochen etwas lernt, das ihr Leben verändern soll. Willkommen zu Tag 4 deiner Ankara Appreciation Week – heute erzählen wir dir keine Fakten über ein Projekt. Wir nehmen dich mit in einen Morgen.
Der Werkraum

Wenn sie die Tür öffnet, riecht es nach heissem Wachs und nasser Baumwolle. Fünf, sechs andere Frauen sind schon da, manche mit Kindern im Tragetuch auf dem Rücken, die friedlich schlafen, während ihre Mütter arbeiten. Es wird nicht viel geredet in den ersten Minuten – jede bindet sich die Schürze um, füllt Wasser nach, entzündet die kleinen Wachsöfen. Dieses Ritual kennt sie inzwischen im Schlaf. Vor ein paar Monaten kannte sie es gar nicht.
Sie ist hier, weil ihr Mann gegangen ist und mit ihm das einzige Einkommen der Familie. Sie ist hier, weil ihre Mutter zu alt ist, um noch zu helfen, und die Nachbarschaft nur so viel geben kann, wie sie selbst hat. Und sie ist hier, weil ihr jemand gesagt hat: Es gibt einen Kurs. Kostenlos, in der Nähe, mit Aussicht auf einen eigenen kleinen Verdienst am Ende. Sie hat nicht lange gezögert.
Wachs, Farbe, Geduld

Die Technik, die sie lernt, heisst Adire-Batik – uralt, geduldig, unerbittlich ehrlich mit Fehlern. Mit einem Holzstempel trägt sie heisses Wachs in Linien und Punkten auf den weissen Stoff auf. Jede Linie ist eine Entscheidung: Hier soll die Farbe später nicht hineindringen, hier schon. Ihre erste Bahn vor Wochen war schief, die Linien zitterten, das Wachs tropfte an der falschen Stelle. Ihre Kursleiterin – selbst einst Teilnehmerin, heute Lehrerin – hat nur gelacht und gesagt: «Auch der Fehler hat eine Bedeutung. Häng ihn auf und lern von ihm.» Heute liegen ihre Linien ruhig und sicher.
Dann kommt die Farbe: mehrere Bäder, mehrere Tage, jedes Mal ein Stück näher am fertigen Muster. Am Ende löst sie das Wachs in kochendem Wasser, und was zum Vorschein kommt, überrascht sie jedes Mal aufs Neue – denn genau das ist die Magie der Handarbeit: kein Computer, keine Maschine hat vorherbestimmt, wie genau die Linien am
Ende verlaufen. Es ist ihre Hand, ihre Geduld, ihr Ergebnis.
Was am Ende der Bahn wartet

Am Nachmittag hält sie eine fertige Stoffbahn in den Händen – ihre eigene, zum ersten Mal verkaufsfähig. Ein Teil davon wird sie auf dem Markt anbieten. Ein Teil geht an Schneiderinnen, die daraus Kleider für Festtage nähen: aufwändige Kaba-und-Slit-Ensembles, in denen Frauen zu Hochzeiten und Kirchentagen erscheinen.
Wenn sie abends nach Hause geht, ist die Tasche leichter, aber etwas anderes ist schwerer geworden: das Wissen, dass sie zum ersten Mal seit Langem etwas hat, das ausschliesslich ihr gehört. Eine Fähigkeit, die ihr niemand mehr nehmen kann.
Warum diese Geschichte auch unsere ist
Wir erzählen sie dir nicht, weil sie aussergewöhnlich ist. Wir erzählen sie dir, weil sie sich in unserem Single Mothers Project in Ghana immer wieder so oder ähnlich abspielt – Woche für Woche, Frau für Frau. Für uns bei Lawson Textile ist das der eigentliche Grund, warum wir unsere Stoffe direkt in Ghana und Westafrika einkaufen, statt über anonyme Zwischenhändler: Damit ein Teil dessen, was du bei uns kaufst, genau dort wirkt, wo unsere Stoffe herkommen. Ein Stoff mit einem Gesicht dahinter fühlt sich beim Vernähen einfach anders an – das ist keine Floskel, das meinen wir genau so.
Mach mit bei der Ankara Appreciation Week
Das war Tag 4 – der Tag, der zeigt, wofür diese Woche eigentlich steht. Morgen wird es wieder praktisch: Dann zeigen wir dir unsere liebsten Sommer-Nähprojekte mit Wax-Print. Die täglichen Geschichten bekommst du per E-Mail, und unter allen Angemeldeten verlosen wir 3 Mix & Match Stoffpakete:
Herzlich, dein Lawson Textile Team




Ich habe mit grossem Interesse diese Woche jeden Eintrag gelesen und finde es mega schön in die Tratition der afrikanische Stoffe zu sehen.👍Beeindruckend auch der Aufwand der verschiedenen Muster und die Liebe zum Detail.😉
Auch der Eindruck von der Fertigstellung eines Kleides mit viel Gespür und Können.💪
Ich kenne eine Person, welche regelmässig nach Kamerun reist, sie haben ein Hilfswerk ( ashia.ch). Immer wieder lässt sie sich ein Kleid nähen mit den Stoffen vor Ort. So ist sie dem Volk nahe aber mit der Besonderheit einer weissen Europäerin und dazu noch blond.😍 es sieht immer so hübsch aus.